Texte

Weil der Weg so steinig ist


Kantate für Chor und Orchester

Hans Peter Schmid

Texte: Ephides


5 - Chor Orchester


Wo die reinen Quellen rinnen,

ist das ew'ge Neubeginnen.

Unsre Tage sind verloren,

wenn wir nicht wie neugeboren;

alte Vorurteile lassen,

höhere Entschlüsse fassen;

neuen Weg zu Menschen finden,

enger uns mit Gott verbinden;

andre zu der Quelle führen,

bis auch sie den Aufschwung spüren

und das Wasser weiterreichen ...  .

Solches Glück ist ohnegleichen,

eint den Himmel mit der Erde,

mit dem Schöpferwort „Es werde!"

 

Wo die reinen Quellen rinnen,

ist das ew'ge Neubeginnen!



6 - Chor Orchester


Du ringst und rufst nach Glück

Kaum zeigt es sich, so lässt es dich in Einsamkeit zurück.

Denn es ist eine Sprosse nur auf unsrer Leiter,

komm weiter!


Das Leid, wie es dich schreckt!

Schon hat's den Arm gereckt, dich zu erfassen —

und muss dich lassen.

Es ist ja eine Sprosse nur auf unsrer Leiter,

komm weiter!


Das Werk, das du erstrebtest, dem du dich opfernd lebtest,

kaum hast du es getan, gehört es andern an.

Ach, es ist eine Sprosse nur auf unsrer Leiter,

komm weiter!


So läuft der Erde Zeit!

Erst scheint der Tod dir weit,

dann ist er nah, auf einmal ist er da!

Doch er ist eine Sprosse nur auf unsrer Leiter,

komm weiter!


Und neuer Fähigkeiten frische Kraft

in andern Leben neue Werte schafft.

Und ein Erkennen löst das andre ab,

Erfahrung wird des früh'ren Wissens Grab.

Auch Wissen ist eine Sprosse nur auf der Leiter,

komm weiter!

Auch die, im Geistessonnenlicht,

auch die im andern Land erschauen nicht

das Ende ihrer Leiter

und streben weiter.


7 -Chor Orchester


Lass die Stirn uns kränzen!

Jubel ohne Grenzen, Weite ohne Saum,

Lichterfüllter Raum tut sich auf uns beiden.

Klirrend springt der Leiden Fesselreif entzwei.

Siehe, wir sind frei!

Steigen wir nach oben, werden wir gehoben, zieht uns Gott hinan?

Siehe, himmelan führt uns weiter, weiter eine Silberleiter,

bis das Sternenlicht uns die Krone flicht.




8 - Chor Orchester


Mein schönste Zier und Kleinod bist

auf  Erden Du, Herr Jesu Christ;

dich will ich lassen walten

und allezeit in Lieb und Leid

in meinem Herzen halten.


Dein Wort ist wahr und trüget nicht

und hält gewiss, was es verspricht,

im Tod und auch im Leben.

Du bist nun mein

und ich bin dein,

dir hab ich mich ergeben.


1 -  Chor Orchester


Weil der Weg so steinig ist

muss ich soviel Blumen kaufen,

dass mein Herz sein Weh vergisst,

Wenn die Füße wundgelaufen.

Weil im Aug die Träne steht,

müssen meine Lippen lachen,

bis sein trüber Blick vergeht

vor dem Glück, dem tausendfachen.


Weil die Menschen lieblos sind,

Muss ich so viel Liebe geben.

Wie im Frost ein Bettelkind

seh ich ihre Seelen beben.

Weil sogar die Distel blüht,

blüht mir Gutes auf aus Bösem,

und wer sich noch mehr drum müht,

kann den Bösen selbst erlösen


2-   1-Rezitativ  Sopran


Suchst du in der Welt, du findest niemals Hilfe.

Suchst du in deinem Innern, du findest Gottes Hilfe.



2 -   Aria Sopran


Der du wanderst nach dem Lichte,

sieh dich vor! Oft macht zunichte

alles Mühn, ein falscher Schritt,

Steinschlag rollt und reißt dich mit.

 

Taucher auf dem Seelengrunde,

sieh dich vor! Zu keiner Stunde

bringt die See sich kampflos dar,

Perlen birgt sie und Gefahr.

 

Heute und in Ewigkeiten

will ich gleichen Weg beschreiten,

siegend, Gott, in Deinem Namen

und in Deinem Sinne! — Amen.



3 -  Choral   RKB 317


Schmücke dich o liebe Seele

lass die dunkle Sündenhöhle;

komm ans helle Licht gegangen,

fange herrlich an zu prangen:

denn der Herr voll Heil und Gnaden

will dich jetzt zu Gaste laden.

Der den Himmel kann verwalten,

will selbst Herberg in dir halten.


Jesu, meines Lebens Sonne,

Jesu, meine Freud' und Wonne,

Jesu, du mein ganz Beginnen,

Lebensquell und Licht der Sinnen:

Hier fall' ich zu deinen Füßen.

Lass mich würdiglich genießen

dieser deiner Himmelsspeise,

mir zum Heil und dir zum Preise!


4 -Chor Orchester


Deine Hände will ich füllen,

Sieh, ich hab hinweggenommen deine Last,

jene auch, die du für Glück gehalten hast.

Die du zögernd nur und stückweis gabst dahin,

denn du wusstest nicht, dass ich es selber bin.

Der dir naht im Kleid des Leides, im Kleid der Not,

der, indem er alles nahm, dir alles bot.

Deine Hände will ich füllen.


5-  1-Rezitativ Sopran


Stille steht, wer in der Welt sein Ziel erstrebt.

Die Quelle ist versiegt, die Hilfe weit entfernt-


Wohl dem, der sich nach Innen richtet.

Er findet das ungetrübte Wasser, und kann es weiter reichen.




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